Named Patterns/ Talkvikki Sweater

Es folgt: Meine Gedanken zu Indie-Schnittmusterfirmen. Direkt zum versprochenen Pulli geht es hier.

Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich 2009 mein erstes Indie-Schnittmuster gekauft habe. Nach unzähligen Big Four Schnitten, deren Endergebnisse Modetrends wiederspiegelten, die damals schon zehn Jahre zurücklagen, war ich sofort schockverliebt in die zuckersüßen Colette-Schnitte Macaron und Parfait (diese Namen!).

Das Branding, die Verpackung und die coole/wunderschöne/elegante Sarai, die noch heute hinter dem mittlerweile deutlich gewachsenen Unternehmen Colette Patterns steht, waren mir dabei aber wichtiger als die Schnitte ansich – denn retro war ungefähr genauso wenig mein Ding wie das, was die „Großen“ (oder die wenigen deutschen Schnittmusterfirmen wie Farbenmix) im Angebot hatten.

In den letzten 7 Jahren hat sich einiges getan: Die Big Four inklusive der Burda Style sind sichtlich bemüht, zeitgenössischere Schnitte zu produzieren und mit Kooperationen wie die von Butterick und Vintage-Nähblog-Superstar Gertie oder den von Simplicity herausgegebenen Lingerie-Schnitten von Madalynne auch Spezial-Näh-Interessen abzudecken, die früher fest in Indie-Hand waren. Außerdem gibt es mittlerweile wohl genug Kapuzenshirt-Schnittmuster von Indie-Designern, um einen eigenen Schnittmusterkatalog zu füllen. Der Markt ist nicht nur sehr unübersichtlich, sondern auch was die Qualität der Schnitte angeht sehr heterogen: Denn nur, weil ein Teil an einer Bloggerin („Designerin“) auf dem Foto gut aussieht, muss der Schnitt noch lange nicht gut konstruiert und gradiert sein. Sehr gute Diskussionen zu diesem Thema bzw. den Qualitätspoblemen, die zuletzt bei Colette zu einer regelrechten Image-Krise führten, gibt es bei Nahtzugabe.

Meine Colette-Schnitte habe ich als Andenken behalten, auch wenn ich sie wahrscheinlich nie nähen werde. Auch ist mir das Gefühl, die „Kleinen“ mit 14 $ und einer gelegentlichen Portion Nachsicht unterstützen zu wollen, nach wie vor erhalten geblieben. Ein bisschen vorsichtig bin ich dennoch geworden und meistens kaufe ich mittlerweile hauptsächlich Schnitte bei Firmen, deren Qualität (bzw. Passung zu meinem Körper und meinem Leben) ich schon kenne – wie zum Beispiel bei Named Clothing.

Mir gefällt der Look dieses finnischen Unternehmens; ebenfalls gefällt mir, wie wenig Personenkult in ihrem Marketing betrieben wird – ich weiß nicht, wie die Designerinnen aussehen, wie ihre Haustiere heißen oder wo sie ihren letzten Urlaub verbracht haben. Nicht, dass jemand mit mehr Präsenz in den sozialen Medien zwangsläufig schlechtere Arbeit leistet – aber ich empfinde diese unaufgeregte Trennung von Person und Produkt trotzdem als wohltuende Abwechslung.

Nun aber zu den wesentlichen Dingen! Das Talvikki Sweatshirt von Named ist mein aktueller Garderoben-Dauerbrenner und macht mit seinen insgesamt 8 Kragenabnähern richtig was her. Was auf den Fotos leider nicht besonders gut zur Geltung kommt, weil ich keine Ahnung habe, wie man schwarze Klamotten vernünftig fotografiert.

Der Stoff ist recht fester Romanit, den ich für die geometrische (?) Form des Pullovers optimal finde, auch wenn er nicht ganz so kuschelig weich ist, wie ich meine Sweatshirts sonst gerne habe. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Schnitt auch mit Sweat gut funktioniert, aber hätte etwas Sorge, dass der Kragen bei weniger guter Körperhaltung dann in sich zusammenfällt.

talvikki_1

Ich habe den Schnitt in Größe 36/38 ohne Änderungen genäht und er sitzt wie erwartet oversized und auch von den Längen her ähnlich wie bei dem Model auf der Webseite. Das einzige, was ich etwas unpraktisch finde, sind die langen und weiten Ärmel – wie die meisten Versionen, die ich im Internet gesehen habe, trage ich mein Shirt auch am Liebsten mit hochgekrempelten Ärmeln. Wenn es wieder richtig kalt wird, werde ich wohl ein dünnes langärmeliges T-Shirt darunter ziehen. Wer empfindliche Nieren hat, sollte das ohnehin besser tun, denn durch den Schlitz in der Seitennaht wird es schnell etwas frisch, selbst wenn man high waist Jeans dazu trägt.

talvikki-2

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Schneidernmeistern/ Karl

Ach Karl.

karl_1

In den neuen Schnitt von Schneidernmeistern hatte ich mich sofort verliebt, als ich ihn wenige Wochen vor dem Erscheinen auf Instagram sah. (Wie zauberhaft sind Ute und ihre Klamotten bitte?)

Ein von ute (@ute_ig) gepostetes Foto am


Mit dem Stehkragen (Frage ans Publikum: Wie übersetzt man Funnel Neck?) und der Midi-Länge erinnerte er mich an etwas, was ich einmal begeistert bei &other stories angezogen hatte und scheinbar entworfen worden war, um mich daran zu erinnern, dass ich klein bin.

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Midi-Länge ist so eine Sache: Ich finde, dass sie an anderen Frauen immer total cool und an mir irgendwie nach einem Versehen aussieht. Spoiler: Ich bin mir auch nach mehrmaligem Tragen noch nicht ganz sicher, ob ich das tragen mag. Wobei ich mir aber sicher bin: Mittellange Scuba-Kleider mit Funnel Neck sind großartig, wenn es schneeregnet und man nach einem Tattoo-Termin am liebsten in Luftpolsterfolie abhängen möchte.

schneidernmeistern karl
Dieses Bild steht für Bewegungsfreiheit

Mein Karl-Dress habe ich nach Maßtabelle in Größe 38 genäht und in Taillenhöhe und Mitte Knie um jeweils 5 cm gekürzt. Ansonsten habe ich einen Split Hem genäht (ich sollte an meinem Vokabular arbeiten), weil ich etwas Angst hatte, dass das Teil bei der Länge/Enge im Beinbereich sonst unpraktisch werden könnte. Rückblickend hätte ich bei einem dehnbarerem Stoff wohl auch in eine 36 gepasst – zumindest am Körper, denn die entscheidende Engstelle an diesem Kleid ist der Ausschnitt. Nicht ganz unerheblich, wenn man so einen großen Kopf hat wie ich. Ein bisschen kürzer wäre sicherlich auch noch in Ordnung gewesen und ich möchte die Form mit komplett geschlossenen Seitennähten auch noch einmal ausprobieren. Oh weh, ich sehe es schon: Dieser wird nicht der einzige Karl in meinem Leben bleiben.

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Der Stoff ist Scuba von Stoff & Stil, der eigentlich mal eine Bomberjacke werden sollte. Mit 1,8m bin ich mit meiner geänderten Version grade so hingekommen und die Verarbeitung war mit der Overlock absolut unproblematisch – bis auf dass nach dem Nähen meine Fingernägel einen seltsamen schwarzen Ombré-Effekt aufwiesen. Auch hier tu ich jetzt einfach mal so, als sei es Absicht, werde das Kleid beim Waschen aber trotzdem von meiner blütenweißen Feiertagstischdecke trennen. Sicher ist sicher.

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Allow me to re-introduce myself

Hejhej! Ich bin S. aus H. an der E. und blogge hier ab jetzt über das Nähen, das sich Anziehen, meine Aversion gegen das Wort vorteilhaft und alles, was mir darum herum noch durch den Kopf geht. Der hier allerdings nicht zu sehen sein wird.

life_mystery

Ein bisschen anonym, aber trotzdem true.

Und warum bitteschön true petite?

Ich bin klein. Laut der Schnittmusteranpassungsbibel fit for real people gibt es viele Möglichkeiten, klein zu sein: Kurze Beine und langer Torso, kurzer Torso und lange Beine – oder eben true petite und überall kurz. Das ist nicht nur die beste Beschreibung meiner Körpergröße, sondern klingt auch noch cool. (Und war als Domain noch zu haben.) Darum soll es hier auch gehen. Klein und cool sein und die Ärmel nicht immer Umkrempeln zu müssen.

Worum es hier nicht geht:

  • Diskussionen der Frage, wer bei welcher Gelegenheit Leggings als Hosen tragen darf (Antwort: jeder, immer. Oder nie. Ganz nach Belieben.).
  • Bodyshaming (auch nicht bei mir selber. Auch nicht nach Weihnachten. Auch nicht, wenn es total selbstironisch gemeint ist.).
  • Wie man als Blogger*in erfolgreich wird (darüber wissen Andere sowieso viel mehr als ich). Und darüber, ob die Schreibweise Blogger*in/Näher*in/Astronaut*in  umständlich ist oder nicht (it’s my party).

Let’s go!

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